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SoVD kritisiert: Sozialer Wohnungsbau wurde im Emsland zu lange vernachlässigt

Wohnungen für einkommensschwache Menschen fehlen

Seit vielen Jahren steigen die Mieten im Emsland kontinuierlich. Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen wird dadurch immer knapper – das bestätigt auch das aktualisierte Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises Emsland. Dennoch fehlen weiterhin tragfähige Lösungen für den sozialen Wohnungsbau in vielen Städten und Gemeinden. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) - Kreisverband Emsland, kritisiert diese Entwicklung scharf und fordert rasches Handeln von Politik und Verwaltung.

„In den Städten und Gemeinden werden Wohnungen zunehmend teurer – das belegt das Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises eindeutig“, erklärt die SoVD-Kreisvorsitzende Andrea Kötter. Das betreffe auch Städte, die bereits über ein eigenes Wohnraumkonzept verfügen. So stieg die durchschnittliche Kaltmiete in Städten wie Lingen, Meppen oder Haren in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Die Durchschnittsmieten liegen hier in einen Bereich, den sich Menschen mit geringem Einkommen oder Personen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, nicht mehr leisten können.

„Und das, obwohl diese Städte bereits vor einigen Jahren entsprechende Konzepte erarbeitet haben, in denen der Bau von sozialem Wohnraum ausdrücklich empfohlen wird“, so Kötter weiter. Zwar gebe es einzelne Initiativen und Modellprojekte, doch insgesamt sei bisher nicht ausreichend gehandelt worden, um der Wohnungsnot effektiv entgegenzuwirken. „Im Interesse der betroffenen Personengruppen müssen die Kommunen im Emsland jetzt endlich ins Handeln kommen“, fordert Kötter. Das Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises liefere dafür eindeutige Hinweise.

Im schlimmsten Fall drohe den Betroffenen sogar Wohnungslosigkeit. „Der Landkreis Emsland belegte im Jahr 2024 niedersachsenweit den dritten Platz bei der Anzahl wohnungsloser Menschen – das sollte uns alle alarmieren“, mahnt Kötter. Auch Familien mit Kindern sind zunehmend von Obdachlosigkeit betroffen, wie eine Analyse des SoVD-Landesverbands Niedersachsen für das gesamte Bundesland zeigt.

Aus Sicht des SoVD ist es laut Kötter deshalb dringend erforderlich, über die Gründung kommunaler Wohnungsbaugenossenschaften nachzudenken. In Rhede seien hierfür mit einer Bürgergenossenschaft bereits erste Voraussetzungen geschaffen worden. „In anderen Kommunen wurde das zwar diskutiert, politisch aber oft nicht gewollt“, bedauert Kötter. Eine Wohnungsbaugesellschaft auf Kreisebene könnte zudem gerade den finanzschwächeren Gemeinden helfen. „Leider hat der Landkreis diesen Weg bislang nicht in Betracht gezogen – obwohl das eigens in Auftrag gegebene Konzept genau diesen Schluss nahelegt“, so Kötter weiter. Das Erstellen eines Konzeptes allein reiche nicht aus. „Der Landkreis steht ebenso wie die Kommunen in der Pflicht, gemeinsam mit allen Akteuren der Wohnungswirtschaft endlich aktiv zu werden“, betont die SoVD-Kreisvorsitzende.

Darüber hinaus gebe es weitere Ansätze, um den sozialen Wohnungsbau grundsätzlich zu stärken. So sei bei der Ausweisung neuer Wohngebiete verstärkt der Bau von Mehrfamilienhäusern zuzulassen und eine Quote für sozialen Wohnraum festzusetzen. „Wer nur Baugebiete für Einfamilienhäuser plant, schließt einkommensschwache Haushalte von vornherein aus“, so Kötter abschließend.