Direkt zu den Inhalten springen

Selbstbestimmt Leben mit einer Behinderung - EUTB zeigt Perspektiven zur beruflichen Teilhabe auf

EUTB berät bei Fragen zur gesellschaftlichen TeilhabeDie Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ bietet Chancen für eine Eingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

Die 28-jährige Ilona Jansen ist in einigen Lebensbereichen aufgrund einer Erkrankung eingeschränkt. Davon lässt sich die selbstbewusste junge Frau nicht entmutigen und verfolgt ehrgeizig ihr Ziel, eine Anstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Hilfe erhält sie dabei von der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in Meppen, die ihr aufgezeigt hat, welche Möglichkeiten und unterstützende Leistungen sie für einen Einstieg in die Arbeitswelt erhalten kann.

Wegen einer gutartigen Tumorerkrankung, die das Gehirn betrifft, lebt Ilona Jansen schon seit ihrer Kindheit mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen. „Ich habe oft Kopfschmerzen und kann mich nicht immer gut konzentrieren“, berichtet die 28-Jährige. Mehrere Operationen haben zwar ihren Gesundheitszustand verbessert, allerdings ist die Erkrankung nicht heilbar. Trotzdem hat sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin, die sie im Christophorus-Werk in Lingen absolviert hat, gemeistert. Im Anschluss erhielt sie in ihrem Ausbildungsbetrieb einen Arbeitsvertrag, den sie aber nach einem halben Jahr beenden musste. „Es gab viel Druck, weil ich nicht so schnell arbeiten konnte, wie es verlangt wurde“, so Jansen. Trotz vieler Bewerbungen fand sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine neue Anstellung. Über das Job-Center wurde ihr in der Folge ein „Ein-Euro-Job“ angeboten. „Die Arbeit in der Toys Company hat mir gut gefallen. Ich habe viel gelernt und gemerkt, wo meine Stärken liegen. Dort habe ich gut arbeiten können“, sagt sie. Nachdem der „Ein-Euro-Job“ endete, ergab sich allerdings keine neue berufliche Perspektive für die 28-Jährige.

Seit Dezember 2018 war sie nun arbeitssuchend zu Hause. „Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich wollte unbedingt wieder arbeiten“, berichtet Jansen. Bewerbungen liefen jedoch nach wie vor ins Leere. Aus diesem Grund ging sie zur ETUB-Beratungsstelle nach Meppen und besprach dort ihre Situation mit Beraterin Sabine Lampe. „Es wurde schon im ersten Gespräch sehr deutlich, dass Frau Jansen unbedingt wieder arbeiten möchte“, erklärte die Beraterin. Das zu Hause „rumsitzen“ habe Jansen nicht mehr lange ausgehalten. Bei einem gemeinsamen Gespräch im Jobcenter wurde auch erörtert, ob Jansen auf Grund ihrer Einschränkungen doch besser in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten könnte. Mit Unterstützung von Lampe beantragte Jansen daraufhin Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, ein Gutachten zur Feststellung der Erwerbsfähigkeit wurde vom Jobcenter beziehungsweise der Agentur für Arbeit in der Folge in Auftrag gegeben. Dieses ergab, dass Jansen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kann. Noch bevor das Gutachten vorlag, hat die EUTB-Beraterin mit Jansen mögliche berufliche Optionen besprochen. Sie hat ihr von der Maßnahme zur individuellen betrieblichen Qualifizierung (InbeQ) im Rahmen Unterstützter Beschäftigung (UB) erzählt, die sie aus eigener beruflicher Vorerfahrung während ihrer Arbeit im Integrationsfachdienst noch gut kannte. Die UB-Maßnahme ist für diejenigen Menschen mit Behinderung gedacht, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben. Sie soll ihnen die Möglichkeit geben, sich in Betrieben zu qualifizieren und so einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zu erhalten. 

Bei dem gemeinsamen Termin mit der Reha-Beraterin der Agentur für Arbeit wurde diese Maßnahme erörtert und Jansen wurde eine Teilnahme in Aussicht gestellt. Damit sie sich für die Maßnahme entscheiden konnte, war es für sie wichtig, sich direkt beim Bildungsträger Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) zu informieren. Die EUTB-Beraterin begleitete sie und sammelte im Vorfeld mit ihr die offenen Fragen. Das Informationsgespräch verlief positiv und so war der Einstieg in die Maßnahme Unterstützte Beschäftigung (UB) beim BNW in Papenburg geschafft. Während der Maßnahme, die bis zu 24 Monaten dauert, erhält Jansen Übergangsgeld von der Agentur für Arbeit.

Im Rahmen der Maßnahme nahm Jansen nun seit August 2019 in einer Einstiegsphase an Schulungstagen teil. Im Anschluss daran konnte schon zeitnah ein Praktikumsplatz in einer Wäscherei gefunden werden. Dort arbeitet sie noch voraussichtlich bis Ende Februar 2020 an vier Tagen in der Woche. Ein Tag in der Woche ist nach wie vor ein Schulungstag beim Bildungsträger.

„Es gefällt mir sehr gut an meinem Praktikumsplatz. Die Arbeit macht mir Spaß und ich verstehe mich sehr gut mit meiner Chefin, meinem Chef und den Kollegen. Deswegen ist mein Praktikum auch verlängert worden. Leider gibt es hier aber für mich keinen Vollzeitarbeitsplatz, so dass die Mitarbeiter vom BNW und ich demnächst nach einem neuen Praktikumsplatz suchen müssen“, sagt Jansen. So zeigt sich die junge Frau nach den ersten Monaten optimistisch, dass der Einstieg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen könnte. „Es läuft wirklich gut. Die Arbeit im Praktikum und die Schulungen, die in Papenburg stattfinden, gefallen mir sehr“, berichtet Jansen. Sie komme mit den Anforderungen gut klar und werde weder über- noch unterfordert. Mit der EUTB-Beraterin ist sie nach wie vor im losen Kontakt. Sie kann mit allen Fragen, die sie nicht beim Bildungsträger klären kann, in die Beratung kommen.                                                                                                             

Für eine persönliche Beratung steht die EUTB Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörigen und Betreuern in der Lingener Straße 30 (SoVD-Geschäftsstelle) in Meppen gerne zur Verfügung. Die EUTB ist am Montag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine können nach vorheriger Absprache auch außerhalb der Geschäftszeiten vereinbart werden. Hausbesuche sind möglich. Die EUTB in Meppen ist unter der Telefonnummer 05931/4968396 und unter der E-Maiadresse sabine.lampe@eutb-emsland.de erreichbar. EUTB-Beratungsstellen gibt es auch in Lingen (Georgstr. 24, Telefon: 0591/80743043) und Aschendorf (Von-Galen-Str. 19, Telefon: 04962/914119).