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Selbstbestimmt Leben mit einer Behinderung -

Tobias Radtke hat den Wunsch in seiner eigenen Wohnung zu leben. Der 37-Jährige, der aufgrund einer geistigen Behinderung sowie eines Herzfehlers auf Unterstützung angewiesen ist, hat bereits verschiedene Wohnformen erprobt, die seinen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht werden sollten. Rat haben er und seine Eltern Elisabeth und Antonius Radtke bei der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) gesucht. EUTB-Beraterin Bernhardine Schiering hat der Familie zusätzliche Teilhabemöglichkeiten aufgezeigt, damit das Leben in der eigenen Wohnung gelingt.

Tobias Radtke ist aktiv und gesellig. Er trifft sich gerne mit seiner Freundin und anderen Menschen. Obwohl er seinen Alltag recht selbstständig gestalten kann, braucht er in manchen Lebensbereichen Hilfe. Radtke hat eine geistige Behinderung und einen Herzfehler. Seit seinem 16. Lebensjahr besucht er die Werkstatt der Caritas für Menschen mit Behinderung in Papenburg. Im Alter von 20 Jahren zog er in Wohntraining der Wohnassistenz des Lukasheims. Nach einer Eingewöhnungsphase wagte er den ersten Versuch und zog mit einer Freundin in eine eigene Wohnung. „Als Tobias das erste Mal auszog, waren wir unsicher“, sagt seine Mutter Elisabeth Radtke. Er habe sich dieser Wohnform trotz Hilfe der Wohnassistenz noch nicht gewachsen gezeigt und sei mit dem Unterhalt seiner Wohnung und dem Führen eines eigenständigen Lebensalltags überfordert gewesen, so die Mutter. „Wir waren verunsichert, in welchem Maße und vor allem wann wir eingreifen sollen, damit er sich nicht selbst schadet“, sagt Elisabeth Radtke.

Nach vielen Gesprächen mit seinen Eltern und der Wohnassistenz entschied sich Tobias Radtke dafür, zunächst wieder nach Hause zu ziehen. In dieser Zeit übernahm sein Vater die gesetzliche Betreuung. „Doch niemand möchte gerne in diesem Alter bei seinen Eltern leben“, betont Antonius Radtke. Dennoch gab es Bedenken, als Tobias erneut eine eigene Wohnung bezog, auch wenn er dieses Mal eine intensivere Unterstützung durch eine selbständige ambulante Betreuung erhielt. „Für uns hat sich nach wie vor die Frage gestellt, wie wir Tobias begleiteten können, damit er ein eigenständiges Leben führen kann und wie wir gleichzeitig etwas mehr Sicherheit haben, dass es ihm gut geht“, so der Vater.

Rat hat sich Familie Radtke bei Bernhardine Schiering von EUTB in Meppen geholt, auch weil sich die Gesetzeslage durch das Bundesteilhabegesetz seit dem 1. Januar 2017 erheblich verändert hat. Die Familie kennt Schiering bereits seit einigen Jahren. „Oftmals wurden in der Vergangenheit in Problemsituationen schon gute Lösungen gefunden. Vielen Ratsuchenden ist es gar nicht bewusst, was sie schon gemeinsam geschafft und aufgebaut haben“, so Schiering. So habe die Familie Radtke die Ablösung vom Elternhaus und die gemeinsame Suche nach einer geeigneten Wohnform gemeistert. „Wir konnten alle Beteiligten noch einmal darin bestätigen, dass sie den richtigen Weg gegangen sind. Von Problemen sollte man sich nicht entmutigen lassen, sondern Lösungen finden“, so Schiering.

Damit weiterhin alles gut läuft, hat Schiering die Familie über zusätzliche Möglichkeiten der Teilhabe am sozialen Leben für Menschen mit Behinderung beraten. „Eine Möglichkeit hierfür ist das Persönliche Budget“, sagt Schiering. Dazu habe es umfassende Gespräche mit der Familie gegeben. „Mit dem Persönlichen Budget ist Tobias sein eigener Chef“, wie die Beraterin berichtet. Monatlich werde das Budget von der Eingliederungshilfe des Landkreises Emsland auf sein Konto überwiesen. „Herr Radtke erhält für die Betreuungsstunden eine Rechnung von einer Einrichtung, wo er die Leistung einkauft und bezahlt sie von seinem Konto“, erklärt die Beraterin weiter. Dieser Weg ist für Tobias vor allem deshalb möglich, weil er durch den Vater, den gesetzlichen Betreuer optimal unterstützt wird. Für manche Menschen spiele es eine große Rolle, nachvollziehen zu können, dass die erbrachten Assistenzstunden von ihnen bezahlt würden. „Damit ist natürlich eine gewisse Verantwortung verbunden, die zum Leben selbstverständlich dazu gehört“, sagt die Beraterin.

Das Geld verwendet Tobias für Unterstützungs- und Betreuungsleistungen, die er sich selbst einkauft, etwa wenn es darum geht, die Wohnung in Ordnung zu halten oder Freundschaften zu pflegen. Zudem erhält er eine Begleitung beim Einkauf von Lebensmitteln oder beim Arztbesuch. „So wird es Herrn Radtke ermöglicht, so zu leben, wie er es sich wünscht“, sagt Schiering, die ergänzt: „Die Wohnassistenz in Form eines Persönlichen Budgets bietet somit viele sinnvolle Hilfen und eine gewisse Sicherheit für ihn und seine Eltern.“

Heute gelingt das Leben des 37-Jährigen in der eigenen Wohnung besser. „Ich komme gut klar und die neue Wohnung ist toll“, sagt er. Auch seine Eltern sind mit dieser Lösung zufrieden.

Für eine persönliche Beratung steht die EUTB Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörigen und Betreuern in der Lingener Straße 30 (SoVD-Geschäftsstelle) in Meppen gerne zur Verfügung. Die EUTB ist am Montag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine können nach vorheriger Absprache auch außerhalb der Geschäftszeiten vereinbart werden. Hausbesuche sind möglich. Die EUTB in Meppen ist unter der Telefonnummer 05931/4968396 und unter der E-Maiadresse bernhardine.schiering@eutb-emsland.de erreichbar. EUTB-Beratungsstellen gibt es auch in Lingen (Georgstr. 24, Telefon: 0591/80743043) und Aschendorf (Von-Galen-Str. 19, Telefon: 04962/914119).