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Inklusionsaktivist referiert zum Persönlichen Budget

Zahlreiche Informationen und Tipps rund um das Persönliche Budget haben Inklusionsaktivist Constantin Grosch und Budget-Experte Rainer Sobota im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen gegeben.

Organisiert wurde die Veranstaltung von den Mitarbeiterinnen der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Emsland. „Wir freuen uns sehr, dass diese Veranstaltung ein so großes Interesse hervorgerufen hat“, sagte EUTB-Mitarbeiterin Bernhardine Schiering bei der Begrüßung im vollbesetzten Saal des LWH.  

Der 28-Jährige Soziologiestudent Constantin Grosch nutzt das Persönliche Budget schon lange, um selbstbestimmt zu leben, wie er in seinem Vortrag unterhaltsam darlegte. Bei Grosch wurde im Alter von drei Jahren eine Muskeldystrophie diagnostiziert. Er ist deshalb auf einen Rollstuhl sowie auf Hilfe im Alltag angewiesen. Schade sei, dass das Budget noch immer wenig bekannt sei. „Jeder hat mal davon gehört, aber keine weiß eigentlich, ob es existiert. Deshalb gilt das Persönliche Budget als das Bielefeld des Sozialrechts“, scherzte der 28-Jährige. Dabei biete diese Form der Teilhabeleistung zahlreiche Vorteile, ermögliche aber vor allem, selbstbestimmte Entscheidungen bei der Anwendung des Budgets treffen zu können. „Wenn ich behindertenbedingten Leistungen in Anspruch nehme, wird über den Kostenträger ein Leistungserbringer beauftragt. Ich kann dann als Leistungsempfänger nicht mitreden“, so Grosch. Anders verhalte es sich, wenn das Persönliche Budget beantragt werde. Hier werde der Budgetnehmer in die Lage versetzt, eigene Ziele und Bedürfnisse zu formulieren und selbstständig die gewünschte Teilhabeleistung von einem Leistungserbringer einzukaufen.

Obwohl das Teilhabebudget viele Vorteile bringe, müssten auch einige Punkte beachtet werden. Wichtig sei, dass das Budget keine neue Leistung darstelle. „Außerdem ist immer ein Nachweis erforderlich, wofür das Persönliche Budget verwendet wird“, so der Inklusionsaktivist. „Mal eben mit dem Geld nach Teneriffa fliegen ist also nicht drin“, so Grosch. Wohl aber könne über das Budget die Hotelkosten für den Assistenten abgerechnet werden. Grosch erläuterte im Anschluss detailliert, welche Möglichkeiten das Budget bietet und nannte Beispiele aus den Pflege-, Bildungs- und Teilhabebereichen. Er selbst nutze es, um die Assistenzleistungen selbstständig einzukaufen, die er aufgrund seiner Behinderung benötige. Er sei daher Arbeitgeber, mit allen Rechten und auch Pflichten. „Wenn ein Assistent nicht so arbeitet, wie ich das möchte, wird er eben gefeuert“, sagte Grosch scherzhaft.

Rainer Sobota legte im Anschluss sachkundig dar, welche Bedingungen zu erfüllen sind, um das Budget zu beantragen und wie eine Antragsstellung von statten gehen sollte. Der Berufsbetreuer aus Delmenhorst zeigte dabei detailliert auf, wo die Teilhabeleistungen Menschen mit Behinderungen helfen können. „Wichtig ist, dass man sich vorab viel Zeit nimmt, um zu definieren, welche Ziele über das Persönliche Budget erreicht werden sollen. Soll beispielsweise das selbstständige Wohnen angestrebt werden oder soll mehr Hilfe bei der Gestaltung der Freizeit gestellt werden, muss vorher geklärt werden“, so Sobota. Vor allem müssten sich Menschen mit Behinderungen trauen, eigene Vorstellungen zu entwickeln und Ziele zu formulieren. Dann könne ein Antrag bei der zuständigen Behörde gestellt werden. Nach der Bedarfsfeststellung könne das Persönliche Budget in Form eines monatlichen Pauschalbetrags oder über eine monatliche Abschlagszahlung ausgezahlt werden. Die erbrachten Leistungen müssten beim Amt nachgewiesen werden.

Zu allen Fragen zum Thema Behinderung und speziell zum Persönlichen Budget können Ratsuchende sich an die EUTB Beratungsstellen wenden. EUTB Meppen, Lingener Str. 30 , Tel. 05931/4968396 – EUTB Lingen, Georg Str. 24, Tel. 0591- 80743043-  EUTB Aschendorf, von-Galen-Str. 19, Tel. 04962-  914119.