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SoVD-Frauen informieren sich zum Thema Depressionen

5,3 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen. Die Zahl der Diagnosen nimmt stetig zu. Über Symptome, Folgen und Behandlungsmetoden dieser Erkrankung hat Johanna Sievering, Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Fachbereichs Gesundheit beim Landkreis Emsland, im Rahmen einer vom SoVD-Kreisfrauenausschuss organisierten Informationsveranstaltung im Saal der Gaststätte Lüssing in Lehe referiert und zu einem offenen Umgang mit dem Thema aufgefordert.

SoVD-Kreisfrauensprecherin Annemarie Hunfeld machte zu Beginn der Veranstaltung vor den rund 80 Teilnehmerinnen deutlich, wie wichtig es sei, über das Thema Depressionen aufzuklären. Es gebe immer mehr Betroffene, insbesondere in der älteren Generation. „Ich freue mich deshalb sehr, dass Frau Sievering sich die Zeit genommen hat, um uns die mit der Krankheit zusammenhängende Aspekte zu erläutern“, so Hunfeld. 

„Eine Depression ist eine schwere Erkrankung mit hohem Leidesdruck und sie kann jeden treffen“, machte Sievering zu Beginn ihres Vortrags deutlich. Zwar werde die Erkrankung bei älteren und jüngeren Menschen immer häufiger diagnostiziert, doch es gebe eine hohe Dunkelziffer an nicht erkannten Depressionen. Im schlimmsten Fall könne die Erkrankung zum Suizid führen. 10.000 Menschen nehmen sich, laut Sievering, im Durchschnitt jedes Jahr in Deutschland das Leben. „Im Landkreis Emsland müssen wir leider jährlich zwischen 30 bis 35 Suizide verzeichnen. Die Zahl der Suizidversuche lässt sich nicht genau beziffern“, so die Psychiaterin.

Männer in den 50ern sowie im Alter über 70 seien besonders häufig von Suiziden betroffen. Ein wesentlicher Grund hierfür sei, dass die Depression aus Scham verheimlicht werde und unbehandelt bleibe. In der Folge entstehe durch die unbehandelte Depression ein langer Leidensweg, an dessen Ende oft der Suizid oder ein Suizidversuch stehe. „Frauen sind weniger betroffen, da sie sich eher öffnen, darüber sprechen, zum Arzt gehen und sich behandeln lassen“, so Sievering. 

Viele Betroffene wüssten häufig nicht, dass sie eine Depression haben, da die Symptome vielfältig seien. „Die Erkrankung kann mit körperlichen Beschwerden beginnen. Dazu gehören unklare Kopf-, Rücken- oder Kieferschmerzen sowie Schlaf- und Appetitlosigkeit und Konzentrationsprobleme“, informierte Sievering. Zudem seien Angst, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und eine oft tief empfundene Traurigkeit weitere Beschwerden. Auch das Verhalten ändere sich. „Betroffene ziehen sich zurück und kommen schlecht aus dem Bett. Man verliert die Freude und das Interesse an Dingen, die einem vorher wichtig waren“, so Sievering. Hinzu komme das Gefühl von Wertlosigkeit und Schuld. Der Verlauf einer Depression können über Wochen, Monate bis hin zu Jahren gehen. Auch periodisch auftretende depressive Phasen seien häufig. Weiterhin gebe es einen Wechsel aus depressiven und manischen Phasen, in denen das Gefühlsleben zwischen starker Traurigkeit und übertriebene Phasen der Fröhlichkeit schwanke.

Vor Depressionen könne grundsätzlich eine behütete Kindheit, eine Jugend, die Raum gebe für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie ein stabiles soziales Umfeld schützen. „Dazu kommen biologische Faktoren, denn wie ausgeprägt die Anfälligkeit für eine Despression ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich“, so die Psychiaterin.

Hilfe bei Depressionen könnten Psychotherapeuten und Psychologen geben. Gesprächstherapien und soziotherapeutische Maßnahmen seien, ebenso wie Medikamente, wichtige Behandlungsbausteine. „Ich bin eine Verfechterin der medikamentösen Therapie, da sie gut wirkt. Medikamente gegen Depressionen machen nicht abhängig“, erklärte Sievering. Bei der Vielzahl an Medikamenten sei es notwendig, das richtige Präparat für den Patienten herauszufinden. Zusätzlich könne auch viel Bewegung und Tageslicht helfen. Bei unklaren Beschwerden sei der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Wichtig sei es, Informationen über die Erkrankung und Hilfsangebote zu erhalten. Sievering wies in diesem Zusammenhang auf das Emsländische Bündnis gegen Depressionen hin. „Wir möchten Aufklären und die Betroffenen stärken“, so Sievering. Ein Flyer, der vom Bündnis herausgegeben wird, klärt über Hilfsmaßnahmen sowie Anlaufstellen auf und gibt Informationen über die Krankheit. Der Flyer ist zusammen mit einem Ratgeber beim Landkreis Emsland erhältlich.

Hunfeld dankte Sievering für den informativen Vortrag. Sie verwies zudem auf die bevorstehenden Veranstaltungen des SoVD-Kreisfrauenausschusses hin. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der SoVD-Frauen werde es am 2. März 2019 eine große Veranstaltung im Saal der Gaststätte Kamp in Meppen geben.