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EUTB berät beim Thema Arbeit für Menschen mit Behinderungen

Mit dem Bundesteilhabegesetz hat der Gesetzgeber einen Rahmen geschaffen, um Menschen mit Behinderungen den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern. Allerdings werfen die Förderstrukturen, die langfristigen Perspektiven in einem regulären Job sowie die grundsätzliche Möglichkeit nach einer Rückkehr in die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen Fragen auf. Das gilt nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörigen sondern auch für potenzielle Arbeitgeber. Über die mit dem Thema Arbeit zusammenhängenden Teilhabemöglichkeiten berät die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) im Emsland.

Kai Cordes hat schon wenige Tage nach der Geburt aufgrund eines Herzfehlers einen Herzstillstand erlitten. Zwar haben ihm die Ärzte das Leben gerettet, allerdings ist der heute 21-Jährige seitdem in seinen kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt. Cordes geht trotz seiner Einschränkung selbstbewusst und aufgeschlossen durchs Leben. Nur mit seinem Job in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen ist er nicht zufrieden und möchte eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Cordes Mutter Tatjana John freut sich, dass der 21-Jährige diesen Ehrgeiz besitzt. „Kai ist fleißig und kann was. Das möchte er natürlich beweisen“, sagt John. Um ihren Sohn bei seinem Vorhaben zu unterstützen wollen John und ihr Ehemann ihn in ihrer eigenen Firma anstellen und ihm so die Chance geben, seinen Traum nach einem Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erfüllen. „Wir möchten, dass Kai alle Türen offen stehen. Wie wir das machen sollten, wussten wir allerdings nicht. Vor allem hatten wir Angst, dass er nicht zurück in die Werkstatt kann, wenn es doch nicht klappen sollte“, berichtet die besorgte Mutter. Schließlich könne sie nicht mit Sicherheit sagen, ob Kai den Anforderungen im elterlichen Betrieb gewachsen ist. Als Unternehmerin und Arbeitgeberin sei ihr bewusst, dass sie eine ganz andere Verantwortung habe, wenn sie den eigenen Sohn beschäftige. „Wir waren als Eltern überfordert und wussten nicht genau, wie wir das angehen müssen. Als Unternehmer hatte wir außerdem keinen Einblick, welche Hilfen wir in Anspruch nehmen können, wenn wir einen Menschen einstellen, der eine Behinderung hat“, so John. „Es fehlten uns die entscheidenden Hinweise, wo genau wir Unterstützung finden können“, sagt John.

Erst als Tatjana John während eines Termins bei der EUTB-Stelle in Aschendorf das Thema Arbeit angesprochen hat, ist wieder Fahrt in das Vorhaben gekommen, Kai eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. EUTB-Mitarbeiterin Verena Harms hat sich zunächst angehört, was sich Kai Cordes wünscht und welche Sorgen sein Mutter hat, wenn ihr Sohn aus dem geschützten Werkstattumfeld einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt beginnt. Die größte Sorge habe sie Tatjana John gleich nehmen können, berichtet Harms. „Menschen mit Behinderung, die auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln, haben grundsätzlich ein Rückkehrrecht in die Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Eine Frist gibt es nicht“, sagt Harms. Schon beim ersten Gespräch habe sie der Familie dazu geraten, sich an die zuständigen Mitarbeiter in der Agentur für Arbeit sowie den Integrationsfachdienst (IfD) zu wenden. „Das sind die Experten auf dem Gebiet der beruflichen Teilhabe und sie kennen sich auch mit individuellen Fördermöglichkeiten aus“, so Harms. Zudem sei die Feststellung einer Werkstattbefähigung bei der betreffenden Person sinnvoll, um entsprechende finanzielle und pädagogische Förderungen zu erhalten. „Wenn das alles passt, kann die Einstellung problemlos erfolgen“, so die EUTB-Mitarbeiterin. Es gäbe darüber hinaus die Möglichkeit einer Begleitung durch Fachdienste für berufliche Integration, die bei Fragen zur Seite stehen können.

„Mit den Informationen von Frau Harms haben wir schon kurz nach dem Gespräch beim Integrationsfachdienst angefragt. Bald können wir Kai einstellen. Er freut sich schon auf seinen ersten Arbeitstag“, berichtet Tatjana John und ergänzt: „Wir hätten von Kais Geburt an eine Anlaufstelle gebrauchen können, die uns unterstützt, wenn es um das Thema Teilhabe und Behinderungen geht. Schön, dass wir diese Hilfe jetzt haben.“

Für eine persönliche Beratung steht die EUTB in Aschendorf Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörigen und Betreuer in der Von-Galen-Straße 19, 26871 Aschendorf-Papenburg gerne zur Verfügung. Die EUTB ist montags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine können nach vorheriger Absprache auch außerhalb der Geschäftszeiten vereinbart werden. Hausbesuche sind möglich. Die EUTB in Aschendorf ist unter der Telefonnummer 04962/914119 sowie unter der E-Maiadresse verena.harms@eutb-emsland.de erreichbar. EUTB-Beratungsstellen gibt es auch in Lingen (Georgstr. 24, Telefon: 0591/80743043) und Meppen (Lingener Straße 30, Telefon; 05931/4968396).